Der Kreuzweg im Münchner Stadtteil Berg am Laim – ein verstecktes Kleinod

Für viele Jahre setzte sich eine örtliche Initiative für den Erhalt dieses Kreuzwegs ein, der einer der letzten Münchens unter freiem Himmel ist. Mittlerweile ist der Kreuzweg renoviert, die Bildstelen wurden erneuert und ergänzt, so dass er im alten Glanz erstrahlt. Maßgeblich beteiligt an diesem Erfolg war Dr. Christel Knauer-Nothaft, die auch immer wieder Führungen dort anbietet.

  • Kreuzweg-Flyer_2025  (PDF-Format) 
  • Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: Aktennummer D-1-62-000-8657
  • Lage: Der Kreuzweg liegt auf dem eingezäunten Gelände der Maria-Ward-Realschule und ist daher nicht zugänglich bzw. von der Josephsburgstraße aus nicht sichtbar. Einige Kreuzwegstationen sind jedoch von einem öffentlichen Fußweg zu sehen, der vom Johann-Michael-Fischer-Platz aus an der Westseite der Berg am Laimer Pfarrkirche St.Michael vorbeiführt.

Ein Kreuzweg im Grünen

Dank Münchner Klosterfrauen gibt es heute noch einen Kreuzweg im Grünen mitten in München. Er liegt in Berg am Laim versteckt hinter einem Zaun und führt auf einem baumbestandenen Weg um eine fast sieben Hektar große freie Wiese. Wenn man die grüne Allee des Kreuzwegs begeht, fühlt man sich fern der Großstadt, obwohl der Marienplatz nur 5 km entfernt ist. Der Rundweg zwischen hohen Bäumen und dichtem Unterholz führt zudem an zwei Kirchen und einem Schlösschen vorbei und zeigt dem Besucher, dass er sich auf historischem Boden befindet.

 

Im Jahr 1840 baute die katholische Kongregation der Englischen Fräulein, die sich traditionell der Erziehung und religiösen Bildung von Mädchen widmete, eine Schule mit Internat in Berg am Laim auf. Bald sehr erfolgreich, konnten die Schwestern im Jahr 1862 diesen Kreuzweg errichten lassen. Die 14 Stationen, gemauerte Stelen mit Kupferdach, wurden mit farbigen Bildtafeln der Mayrschen Hofkunstanstalt ausgestattet

Der Kreuzweg diente den Klosterfrauen und ihren Internatsschülerinnen zu Andacht, Gebet und Meditation, bis die Englischen Fräulein 1986 wegen Nachwuchsmangel ihre Schule mit Kloster aufgeben mussten. Der Käufer des ganzen Areals war die Erzdiözese München und Freising.
Die 14 Bildtafeln wurden im Lauf der Zeit teilweise beschädigt, auch gingen vier ganz verloren. Vor einigen Jahren wurden die noch erhaltenen Tafeln abgenommen, restauriert und zum Schutz in der Pfarrkirche St.Michael zwischengelagert.

 

Nachdem sich Berg am Laimer Bürgerinnen und Bürger jahrelang für den Erhalt des Kreuzwegs eingesetzt hatten, erfolgte im Jahr 2024 durch die Bauabteilung der Erzdiözese mit finanzieller Unterstützung des Bezirksausschuß 14 (Berg am Laim) eine aufwändige Restaurierung des Kreuzwegs und sämtlicher Stationen.

Die vier verlorengegangenen Bildtafeln konnten nach den Vorbildern eines Kreuzwegs im Sauerland, der ebenfalls von der Mayrschen Hofkunstanstalt gefertigt wurde und aus der gleichen Zeit stammt, rekonstruiert werden. Seit September 2025 ist der Kreuzweg wieder vollständig zu besichtigen.

Die Station 1 des Kreuzwegs beginnt bei der neuromanischen Loretokirche, einem roten Ziegelbau mit einem Glockenturm. Diese Kirche wurde an das alte Wittelsbacher Jagd-schlösschen und spätere Kloster der Englischen Fräulein angebaut.
Gegenüber der Station 4 steht die Rokokokirche St. Michael mit ihren zwei Türmen und der hellgelben Fassade, ein Bau der Kölner Kurfürsten aus dem Haus Wittelsbach, ein Kulturdenkmal von europäischem Rang.
Station 14 des Kreuzwegs endet an früheren landwirtschaftlichen Gebäuden, die heute zur Maria-Ward-Schule gehören.

 

Text: Bürgerkreis Berg am Laim, nach einer Vorlage von Dr. Christel Knauer-Nothaft

 

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